Her­aus­for­de­run­gen für die Erstel­lung und Prü­fung des Lageberichts

Im Dezem­ber 2017 ver­ab­schie­de­te das Insti­tut der Wirt­schafts­prü­fer (IDW) den Prü­fungs­stan­dard „Prü­fung des Lage­be­richts im Rah­men der Abschluss­prü­fung“ (IDW PS 350 n. F.) in neu­er Fas­sung. Anzu­wen­den ist der neue Stan­dard für die Prü­fung von Lage­be­rich­ten für Berichts­zeit­räu­me, die am oder nach dem 15. Dezem­ber 2018 begin­nen, mit der Aus­nah­me von Rumpf­ge­schäfts­jah­ren, die vor dem 31. Dezem­ber 2019 enden.
Damit ist der neu gefass­te Stan­dard auf die Prü­fung der Lage­be­rich­te für das lau­fen­de Geschäfts­jahr 2019 anzu­wen­den. Als Prü­fungs­stan­dard wer­den in ers­ter Linie die Anfor­de­run­gen an Abschluss­prü­fer kon­kre­ti­siert; aller­dings wird die Neu­fas­sung des IDW PS 350 n. F. auch Ein­fluss auf die Auf­stel­lung des Lage­be­richts haben. Der Lage­be­richt gehört zu den zen­tra­len Berichts­in­stru­men­ten der Unter­neh­mens­kom­mu­ni­ka­ti­on und befin­det sich im ste­ti­gen Wan­del. Ursprüng­lich war es die Auf­ga­be des Lage­be­richts, die Aus­sa­ge­fä­hig­keit des Jahres- bzw. Kon­zern­ab­schlus­ses über den ver­gan­ge­nen Geschäfts­ver­lauf zu erhö­hen. Im Lage­be­richt wur­den daher die ver­gan­gen­heits­ori­en­tier­ten finan­zi­el­len Anga­ben ergän­zend erläu­tert und in einen Zusam­men­hang gestellt. In meh­re­ren Gesetz­ge­bungs­ver­fah­ren wur­de der Lage­be­richt suk­zes­si­ve um in die Zukunft gerich­te­te Infor­ma­tio­nen über die wirt­schaft­li­che Lage des Unter­neh­mens und deren Risi­ken und Chan­cen erwei­tert. Die Prü­fung des Lage­be­richts wur­de daher ins­ge­samt dar­auf aus­ge­rich­tet, ob die­ser in allen wesent­li­chen Belan­gen in Ein­klang mit dem Abschluss steht und die Chan­cen und Risi­ken der zukünftigen
Ent­wick­lung zutref­fend dar­stellt. Der neu gefass­te Prü­fungs­stan­dard betont das risi­ko­ori­en­tier­te Vor­ge­hen bei der Prü­fung und ver­langt vom Abschluss­prü­fer min­des­tens die Erlan­gung eines Ver­ständ­nis­ses über die im Unter­neh­men vor­han­de­nen Vor­keh­run­gen und Maß­nah­men (Sys­te­me) zur Auf­stel­lung des Lage­be­richts. Dies umfasst ins­be­son­de­re auch Sys­te­me zur Erfas­sung und Bewer­tung der wesent­li­chen Chan­cen und Risi­ken für die Chancen- und Risi­ko­be­richt­erstat­tung sowie zur Ermitt­lung pro­gnos­ti­scher Anga­ben. Der Abschluss­prü­fer hat die­se Sys­te­me dahin­ge­hend zu beur­tei­len, ob sie für die Auf­stel­lung eines geset­zes­kon­for­men Lage­be­richts ange­mes­sen sind. IDW PS 350 n. F. unter­schei­det zukünf­tig zwi­schen prüf­ba­ren und nicht prüf­ba­ren sowie lage­be­richts­ty­pi­schen und lage­be­richts­frem­den Anga­ben. Anga­ben im Lage­be­richt kön­nen auf­grund der Art bzw. auf­grund nicht vor­han­de­ner geeig­ne­ter Kri­te­ri­en nicht beur­teil­bar sein. Im IDW PS 350 n. F. gibt es eine Klar­stel­lung zum Umgang mit die­sen soge­nann­ten „nicht prüf­ba­ren Anga­ben“. Um Aus­wir­kun­gen auf das Prü­fungs­ur­teil zu ver­mei­den, emp­fiehlt es sich für die Auf­stel­ler, nicht prüf­ba­re Anga­ben zu prüf­ba­ren Anga­ben umzu­for­mu­lie­ren. Bei der Auf­stel­lung von Lage­be­rich­ten wer­den zuneh­mend Anga­ben auf­ge­nom­men, die von gro­ßer Trag­wei­te für die Rech­nungs­le­gungs­adres­sa­ten sein kön­nen, aber nicht gesetz­lich gefor­dert wer­den. Ein Bei­spiel ist die Bericht­erstat­tung über Nach­hal­tig­keits­aspek­te. Her­vor­zu­he­ben ist hier als Neue­rung in IDW PS 350 n. F. das Begriffs­paar „lage­be­richts­ty­pi­sche / lage­be­richts­frem­de“ Anga­ben. Lage­be­richts­frem­de Anga­ben sind nur noch auf frei­wil­li­ger Basis Gegen­stand der Abschluss­prü­fung. IDW PS 350 n. F. bie­tet den Auf­stel­lern der Lage­be­rich­te in Bezug auf lage­be­richts­frem­de Anga­ben die Mög­lich­keit, die­se ein­deu­tig räum­lich abzu­gren­zen und sie als unge­prüft zu kenn­zeich­nen. Bei feh­len­der Kenn­zeich­nung nicht geprüf­ter Anga­ben im Lage­be­richt sind die­se im Bestä­ti­gungs­ver­merk als unge­prüft hervorzuheben.
Es emp­fiehlt sich daher eine früh­zei­ti­ge Abstim­mung mit dem Abschluss­prü­fer zum Umgang mit lage­be­richts­frem­den Anga­ben und die Iden­ti­fi­ka­ti­on von ggf. nicht prüf­ba­ren Aus­sa­gen. Dar­über hin­aus gilt umso mehr: Vor­aus­set­zung für eine ord­nungs­ge­mä­ße Prü­fung des Lage­be­richts ist des­sen recht­zei­ti­ge Vor­la­ge bei der Abschlussprüfung.