Kapi­tal­ein­künf­te mit geson­der­tem Steu­er­ta­rif: Kei­ne Steu­er­ermä­ßi­gung nach § 35a EStG

Nach § 35a EStG ermä­ßigt sich bei ent­spre­chen­der Antrag­stel­lung die tarif­li­che Ein­kom­men­steu­er für haus­halts­na­he Beschäf­ti­gungs­ver­hält­nis­se, haus­halts­na­he Dienst­leis­tun­gen und Hand­wer­k­erleis­tun­gen um 20 % der getra­ge­nen Auf­wen­dun­gen, maxi­mal um bestimm­te Höchst­be­trä­ge. In dem vom BFH mit Beschluss vom 28.04.2020 ent­schie­de­nen Ver­fah­ren (Az. VI R 54/17) war strei­tig, ob die­se Steu­er­ermä­ßi­gung auch für Kapi­tal­ein­künf­te, die dem geson­der­ten Steu­er­ta­rif von 25 % und eben nicht der tarif­li­chen Ein­kom­men­steu­er unter­lie­gen, bean­sprucht wer­den kann.

Die Ein­künf­te der Steu­er­pflich­ti­gen aus ver­schie­de­nen Ein­kunfts­ar­ten führ­ten ins­ge­samt zu einem nega­ti­ven zu ver­steu­ern­den Ein­kom­men. Dane­ben erziel­te sie (posi­ti­ve) Ein­künf­te aus Kapi­tal­ver­mö­gen, auf die im Wesent­li­chen der geson­der­te Steu­er­ta­rif von 25 % anzu­wen­den war. Die für ent­spre­chend vor­lie­gen­de Auf­wen­dun­gen gel­tend gemach­te Steu­er­ermä­ßi­gung gemäß § 35a EStG lehn­te das Finanz­amt aller­dings ab. Da die bean­trag­te Güns­ti­ger­prü­fung nicht zu einer nied­ri­ge­ren Steu­er führ­te, wur­den die Kapi­tal­erträ­ge nicht in die Ermitt­lung der tarif­li­chen Ein­kom­men­steu­er ein­be­zo­gen, mit der Fol­ge, dass die tarif­lich zu ver­steu­ern­den Ein­künf­te EUR 0,00 betru­gen und die Steu­er­ermä­ßi­gung nach § 35a EStG aus­schied. Dies bestä­tig­ten FG und BFH.

Die Steu­er­ermä­ßi­gung nach § 35a EStG führt nach dem Geset­zes­wort­laut aus­drück­lich zu einer Min­de­rung „der tarif­li­chen Ein­kom­men­steu­er“. Die dem geson­der­ten Steu­er­ta­rif unter­lie­gen­den Ein­künf­te aus Kapi­tal­ver­mö­gen sind gera­de kein Bestand­teil des tarif­li­chen Ein­kom­men­steu­er­sys­tems. Zudem ist die Rei­hen­fol­ge der erfor­der­li­chen Rechen­schrit­te, um von der tarif­li­chen Ein­kom­men­steu­er zu der fest­zu­set­zen­den Ein­kom­men­steu­er zu gelan­gen, gesetz­lich fest­ge­schrie­ben. Danach ist die tarif­li­che Ein­kom­men­steu­er zunächst um Steu­er­ermä­ßi­gun­gen, bei­spiels­wei­se jene nach § 35a EStG, zu ver­min­dern und erst dann um die geson­der­te Steu­er für Kapi­tal­ein­künf­te zu erhö­hen. Daher kommt kei­ne Steu­er­ermä­ßi­gung in Betracht, wenn die tarif­li­che Ein­kom­men­steu­er EUR 0,00 beträgt; dass sich durch ande­re Hin­zu­rech­nungs­grö­ßen, wie in die­sem Fall durch die geson­der­te Steu­er auf Kapi­tal­erträ­ge, eine posi­ti­ve fest­zu­set­zen­de Ein­kom­men­steu­er ergibt, ist für Steu­er­ermä­ßi­gun­gen der tarif­li­chen Ein­kom­men­steu­er irrele­vant.

Sofern die Güns­ti­ger­prü­fung für die Ein­künf­te aus Kapi­tal­ver­mö­gen ergibt, dass eine Besteue­rung nach dem all­ge­mei­nen Tarif zu einer nied­ri­ge­ren Steu­er führt, wer­den die Kapi­tal­ein­künf­te der tarif­li­chen Ein­kom­men­steu­er unter­wor­fen. Folg­lich käme dann auch die Steu­er­be­güns­ti­gung gemäß § 35a EStG zur Anwen­dung.

Hin­weis:
Der BFH betont in stän­di­ger Recht­spre­chung den Ver­ein­fa­chungs­zweck des sche­du­li­sier­ten Besteue­rungs­sys­tems für Kapi­tal­ein­künf­te. Dies bedeu­tet aller­dings auch, dass kei­ne wei­te­ren Abzü­ge oder Steu­er­ermä­ßi­gun­gen mehr in Anspruch genom­men wer­den kön­nen.