Fami­li­en­heim­fahr­ten mit teil­ent­gelt­lich über­las­se­nem Fir­men­wa­gen

Im Rah­men einer beruf­lich ver­an­lass­ten dop­pel­ten Haus­halts­füh­rung kön­nen die Auf­wen­dun­gen für eine wöchent­li­che Heim­fahrt pau­schal mit EUR 0,30 für jeden vol­len Ent­fer­nungs­ki­lo­me­ter als Wer­bungs­kos­ten gel­tend gemacht wer­den. Ein Wer­bungs­kos­ten­ab­zug ist jedoch dann aus­ge­schlos­sen, wenn der Arbeit­ge­ber dem Arbeit­neh­mer ein Kfz unent­gelt­lich zur Ver­fü­gung stellt; ande­rer­seits ist in die­sen Fäl­len auch kein geld­wer­ter Vor­teil als steu­er­pflich­ti­ger Arbeits­lohn zu berück­sich­ti­gen. Frag­lich ist aller­dings, ob und inwie­weit die Auf­wen­dun­gen für Fami­li­en­heim­fahr­ten mit einem teil­ent­gelt­lich vom Arbeit­ge­ber über­las­se­nen Fir­men­wa­gen steu­er­lich abzugs­fä­hig sind. Hier­über hat nun das Nie­der­säch­si­sche FG in sei­nem Urteil vom 08.07.2020 (Az. 9 K 78/19) ent­schie­den.

Ein Arbeit­ge­ber hat­te dem Arbeit­neh­mer einen Fir­men­wa­gen über­las­sen, der sowohl für Pri­vat­fahr­ten als auch für wöchent­li­che Fami­li­en­heim­fahr­ten im Rah­men einer beruf­lich ver­an­lass­ten dop­pel­ten Haus­halts­füh­rung genutzt wer­den konn­te. Die Betei­lig­ten hat­ten dies­be­züg­lich einen pau­scha­len monat­li­chen Zuzah­lungs­be­trag zzgl. einer kilo­me­ter­ab­hän­gi­gen Tank­kos­ten­zu­zah­lung ver­ein­bart. Soweit das Kfz für die Fami­li­en­heim­fahr­ten ein­ge­setzt wur­de, begehr­te der Arbeit­neh­mer den Abzug des tat­säch­li­chen Auf­wands als Wer­bungs­kos­ten.

Nach Auf­fas­sung des Nie­der­säch­si­schen FG ver­bleibt es auch dann beim grund­sätz­li­chen Wer­bungs­kos­ten­ab­zugs­ver­bot, wenn die Fir­men­wa­gen­über­las­sung nicht unent­gelt­lich, son­dern teil­ent­gelt­lich erfolgt und dem Arbeit­neh­mer damit tat­säch­li­che Auf­wen­dun­gen für die Durch­füh­rung der Fami­li­en­heim­fahr­ten ent­ste­hen. Damit schließt sich das Nie­der­säch­si­sche FG der Finanz­ver­wal­tung an, die nicht zwi­schen unent­gelt­li­cher und teil­ent­gelt­li­cher Fir­men­wa­gen­über­las­sung hin­sicht­lich der Fahr­ten für Wege zwi­schen Woh­nung und ers­ter Tätig­keits­stät­te bzw. ande­ren beruf­lich ver­an­lass­ten Fahr­ten unter­schei­det.

Hin­weis:
Ori­en­tie­rung zur Ein­ord­nung die­ser Streit­fra­ge bie­tet das BFH-Urteil vom 28.02.2013 (Az. VI R 33/11), das einen Wer­bungs­kos­ten­ab­zug bei aus­schließ­lich unent­gelt­li­cher Über­las­sung eines Fir­men­wa­gens man­gels eige­nen Auf­wands aus­ge­schlos­sen hat. In die­ser Ent­schei­dung bestä­tigt der BFH den grund­sätz­li­chen kor­re­spon­die­ren­den Bezug zwi­schen dem Ansatz eines geld­wer­ten Vor­teils und dem Wer­bungs­kos­ten­ab­zug: Wird einer­seits auf die Zurech­nung von Ein-nahmen ver­zich­tet, ist ande­rer­seits auch der kor­re­spon­die­ren­de Wer­bungs­kos­ten­ab­zug aus­ge­schlos­sen.

In der zwi­schen­zeit­lich anhän­gi­gen Revi­si­on (Az. VI R 35/20) wird jedoch auch zu berück­sich­ti­gen sein, dass dem Arbeit­neh­mer kei­ne dies­be­züg­li­chen Ein­nah­men zuzu­rech­nen sind, son­dern er ledig­lich den Abzug der von ihm tat­säch­lich getra­ge­nen Auf­wen­dun­gen als Wer­bungs­kos­ten im Rah­men einer beruf­lich ver­an­lass­ten dop­pel­ten Haus­halts­füh­rung begehrt.