BHF zur Abgeltungsteuer: Schuldzinsen als Werbungskosten

21.01.2015

Im Veranlagungszeitraum 2008, d.h. vor dem Systemwechsel zur Abgeltungsteuer, können laut BFH angefallene Schuldzinsen bei der Ermittlung der Einkünfte aus Kapitalvermögen noch in vollem Umfang als Werbungskosten abgezogen werden, auch wenn die damit zusammenhängenden Kapitalerträge erst in 2009 zufließen. (Az. VIII R 60/13)

Der BFH hat entschieden, dass das Werbungskostenabzugsverbot des § 20 Abs. 9 EStG erstmalig ab dem Veranlagungszeitraum 2009 anzuwenden ist. Demnach können Schuldzinsen, die vor dem Systemwechsel zur Abgeltungsteuer angefallen sind – das heißt im Veranlagungszeitraum 2008 – bei der Ermittlung der Einkünfte aus Kapitelvermögen als Werbungskosten abgezogen werden, auch wenn die damit zusammenhängenden Kapitalerträge erst in späteren Jahren anfallen und dann der Abgeltungsteuer unterliegen.

Im Streitfall tätigte der Kläger eine teilweise fremdfinanzierte Festgeldanlage. Die Zinserträge sind ihm erst im Januar 2009 zugeflossen, wohingegen die Darlehenszinsen für den zur Finanzierung aufgenommenen Kredit bereits in 2008, das heißt vor der Abgeltungsteuer geleistet wurden. Das Finanzamt lehnte den Schuldzinsenabzug unter Hinweis auf das ab 2009 mit der Umstellung zur Abgeltungsteuer eingeführte Werbungskostenabzugsverbot für Schuldzinsen nach   § 20 Abs. 9 EStG n.F. ab. Dahingegen gab das Finanzgericht der erhobenen Klage statt mit der Begründung, das Abzugsverbot gelte nicht für bereits in 2008 gezahlte Schuldzinsen.

Nach Auffassung des BFH wollte der Gesetzgeber mit der Abgeltungsteuer die Besteuerung der Kapiteleinkünfte erst zum 01. Januar 2009 umsetzen. Damit ist das Werbungskostenabzugsverbot des § 20 Abs. 9 n.F. EStG auf Kapitalerträge nur im Kalenderjahre ihres Zuflusses anzuwenden. Der BFH hat folglich das Urteil in der Vorinstanz bestätigt und vertritt damit eine großzügige Auffassung. Eine zeitraumübergreifende Anwendung der Regelung auf Werbungskosten, die mit nach dem 31.12.2008 zufließenden Kapitalerträgen zusammenhängen, aber nicht vorher angefallen sind, kann laut dem BFH dem Gesetzeswortlaut nicht entnommen werden.