Entfernungspauschale gilt auch für Mitarbeiter im Außendienst

24.05.2016

Ein Außendienstmonteur fährt mit seinem Firmenfahrzeug täglich andere Einsatzorte an. Der Betriebssitz stellt dennoch die regelmäßige Arbeitsstätte dar, so dass die Fahrtkosten nur in Höhe der regulär geltenden Entfernungspauschale abzugsfähig sind. Das hat das Finanzgericht Münster mit dem Urteil vom 17. Februar 2016 (11 K 3235/14 E) entschieden.

Dem Urteil liegt eine Klage eines Außendienstmonteurs zugrunde. Im Streitjahr 2013 suchte er täglich den Betriebssitz seines Arbeitgebers mit seinem Privat-Pkw auf und legte von dort aus mit dem Dienst-Pkw die Wege zu den einzelnen Einsatzorten zurück. In seiner Einkommensteuererklärung wies der Kläger nicht nur die nach Entfernungspauschale geltenden Entfernungskilometer von seiner Wohnung bis zur Arbeitsstätte aus, sondern jeden tatsächlich gefahrenen Kilometer. Somit versuchte er, sämtliche Entfernungskilometer mit 0,30 Euro als Werbungskosten geltend zu machen. Das beklagte Finanzamt erkannte allerdings nur den nach Entfernungspauschale geltenden Betrag an, woraufhin der Außendienstmitarbeiter Klage beim Finanzgericht einreichte. Seine Begründung lautete, dass der Betriebsbesitz nicht als seine regelmäßige Arbeitsstätte anzusehen sein. Er verbringe dort weniger als die gesetzlich geregelten 20 Prozent seiner täglichen Arbeitszeit.   

Kontroverse: Qualitativer Schwerpunkt der Tätigkeit

Das Finanzgericht Münster lehnte die Klage als unbegründet ab. In seiner Entscheidung verwies das Gericht auf die neue Rechtslage, die mit dem Urteil des Bundesfinanzhofs seit 2011 gültig ist (Urteil vom 09.06.2011, VI R 36/10 und VI R 58/09): Ein Arbeitnehmer kann nur noch eine regelmäßige Arbeitsstätte haben, da der ortsgebundene Mittelpunkt der beruflichen Tätigkeit nur an einem Ort liegt. Entscheidend ist, wo sich dieser Mittelpunkt befindet und damit auch der Ort, an dem dieser seine geschuldete Leistung zu erbringen hat.

Dementsprechend gab das Finanzgericht dem Kläger Recht: Der qualitative Mittelpunkt seiner eigentlichen Tätigkeit liege nicht im Betriebssitz, sondern an auswärtigen Orten. Jedoch würde die Beurteilung der Situation auf den qualitativen Schwerpunkt der Tätigkeit zu einer sachlich nicht gerechtfertigten Ungleichbehandlung führen, so das Finanzgericht weiter. Der Kläger könne sich schließlich – nicht anders als seine Arbeitskollegen, die Bürotätigkeiten im Betriebssitz verrichten – auf den immer gleichen Weg zum Dienstort einstellen. Um seine Wegekosten zu minimieren, bestehe die Möglichkeit, Fahrgemeinschaften zu bilden oder auf öffentliche Verkehrsmittel zurückzugreifen.
Das Finanzgericht Münster hat die Revision zum Bundesfinanzhof zugelassen.