Häusliches Arbeitszimmer eines Selbständigen

04.05.2017

Mit Urteil vom 22.02.2017 (III R 9/16) hat der Bundesfinanzhof entschieden, dass bei einem Selbständigen nicht jeder Schreibtischarbeitsplatz in seinen Betriebsräumen zwangsläufig einen zumutbaren „anderen Arbeitsplatz“ darstellt.

Nach den Regelungen des Einkommensteuergesetzes besteht ein Abzugsverbot für Aufwendungen für ein häusliches Arbeitszimmer. Diese Regelungen gelten jedoch nicht, wenn für die betriebliche oder berufliche Tätigkeit kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung steht. In diesem Fall wird jedem Steuerpflichtigen ein auf den Höchstbetrag in Höhe von 1.250 Euro begrenzter Abzug für das häusliche Arbeitszimmer gewährt.

Nach dem Urteil des Bundesfinanzhofs vom 22.02.2017 kommt das Abzugsverbot nicht zur Anwendung, sofern die Nutzung des Arbeitszimmers dahingehend eingeschränkt ist, dass dem Steuerpflichtigen kein anderer Arbeitsplatz zur Erfüllung seiner büromäßigen Pflichten zur Verfügung steht und er daher einen nicht unerheblichen Teil seiner beruflichen oder betrieblichen Tätigkeit in seinem häuslichen Arbeitszimmer verrichten muss. 

Im Streitfall war der Kläger als Logopäde in angemieteten Räumen an zwei Standorten tätig, die überwiegend durch seine Angestellten genutzt wurden. Für die anfallenden Büro- und Verwaltungsarbeiten nutzte er ein häusliches Arbeitszimmer. Er machte geltend, dass es nicht möglich sei, während der laufenden Behandlungen in den angemieteten Räumen Verwaltungsarbeiten durchzuführen. Das Finanzgericht gelangte nach einer Würdigung der konkreten Umstände ebenfalls zu der Auffassung, dass eine Erledigung der Büroarbeiten in den Praxisräumen – auch außerhalb der Öffnungszeiten – nicht zumutbar sei und die Aufwendungen für das häusliche Arbeitszimmer demnach auf den Höchstbetrag begrenzt abzugsfähig seien.

Der BFH folgte der Auffassung des Finanzgerichts und gab dem Kläger Recht. Auch ein selbständig Tätiger könne auf ein (zusätzliches) häusliches Arbeitszimmer angewiesen sein, sofern ihm kein „anderer Arbeitsplatz“ zur Verfügung stehe. Die Feststellung, ob ein Steuerpflichtiger einen anderen Arbeitsplatz in dem erforderlichen Umfang und in der konkret erforderlichen Art und Weise nutzen kann, müsse durch das Finanzgericht anhand objektiver Kriterien im Rahmen einer Gesamtwürdigung des Einzelfalls getroffen werden. Anhaltspunkte hierfür könnten sich sowohl aus der Beschaffenheit des Arbeitsplatzes (Größe, Lage, Ausstattung) als auch aus den Rahmenbedingungen seiner Nutzung (Ausgestaltung der Nutzungsmöglichkeiten, Verfügbarkeit des Arbeitsplatzes, zumutbare Möglichkeit der Einrichtung eines außerhäuslichen Arbeitsplatzes) ergeben. Im Streitfall ergab sich aus den tatsächlichen Gegebenheiten, wie der konkreten Nutzung der Räume durch die Angestellten, der Vertraulichkeit der für die Bürotätigkeit erforderlichen Unterlagen und dem Umfang der Bürotätigkeit, eine Unzumutbarkeit der Nutzung der Praxisräume als außerhäusliches Arbeitszimmer, womit die Entscheidung des Finanzgerichts revisionsrechtlich nicht zu beanstanden ist.