Steuerpflicht trotz Gehaltsverzicht

04.09.2014

Mittelständisch geprägte Kapitalgesellschaften werden häufig von einem beherrschenden Gesellschafter-Geschäftsführer geführt. In vielen Fällen ist der Geschäftsführer sogar alleiniger Gesellschafter. Der Geschäftsführervertrag und vor allem die darin vereinbarten Vergütungsregelungen werden im weiteren Verlauf naturgemäß nur wenig beachtet.

Gleichwohl können steuerliche Fallstricke vorhanden sein. Probleme kann insbesondere die Frage bereiten, wann dem beherrschenden Gesellschafter-Geschäftsführer eine vertraglich vereinbarte Vergütung zufließt. Unerwartete steuerliche Komplikationen treten in diesem Zusammenhang häufig dann auf, wenn der Gesellschafter-Geschäftsführer auf einzelne Vergütungsbestandteile verzichtet oder Vergütungsbestandteile schlicht nicht ausbezahlt werden, z. B. weil die Ertrags- oder Liquiditätssituation der Gesellschaft das erfordert. Erfolgt ein Verzicht nach Fälligkeit der Vergütung, muss der GesellschafterGeschäftsführer die (gar nicht erhaltene) Vergütung versteuern. Zum Ausgleich wird eine verdeckte Einlage in die GmbH angenommen, die sich allerdings erst im Fall eines Verkaufs und dann auch nur im Rahmen des Teileinkünfteverfahrens in Form höherer Anschaffungskosten auswirkt. Nun hat die Finanzverwaltung in einem Schreiben ihre durchaus umstrittene Rechtsauffassung mit Verweis auf drei Urteile des Bundesfinanzhofs bestätigt, wonach bei einem beherrschenden Gesellschafter- Geschäftsführer ein fiktiver Zufluss einer Vergütung bereits dann erfolgt, wenn diese fällig wäre. Ob zu diesem Zeitpunkt bereits eine Passivierung in der Bilanz erfolgt ist, spielt keine Rolle.

Nur bis zur Fälligkeit kann deshalb auf die Vergütung verzichtet werden, ohne dass sich die dargestellten Besteuerungsfolgen eines steuerpflichtigen Zuflusses ergeben. Beherrschende Gesellschafter-Geschäftsführer von Kapitalgesellschaften müssen deshalb penibel darauf achten, dass einmal schriftlich niedergelegte Vergütungsregelungen auch eingehalten werden oder aber ein entsprechend frühzeitiger Verzicht erfolgt, damit keine Steuerzahlungen auf nie erhaltene Vergütungen zu leisten sind. Betriebswirtschaftlich sinnvolles Agieren wird einmal mehr durch steuerliche Spitzfindigkeiten torpediert!