Studierende darf Kosten nur eingeschränkt von der Steuer abset-zen

26.05.2016

Eine Medizinstudentin machte in ihrer Einkommensteuererklärung umfangreiche vorweggenommene Werbungskosten geltend. Ihr Vater hatte die Aufwendungen übernommen. Das Finanzgericht Niedersachsen hat entschieden: Wenn die Kosten während des Studiums eines Steuerpflichtigen von einem Dritten getragen werden, können diese nur unter bestimmten Voraussetzungen als vorweggenommene Werbungskosten geltend gemacht werden.

Der Streitfall: Im Streitjahr nahm die Klägerin ein Medizinstudium auf, nachdem sie eine Berufsausbildung abgeschlossen hatte. Das Studium galt somit als Zweitausbildung. Aus diesem Grund machte die Studierende vorweggenommene Werbungskosten geltend. Darunter fielen Aufwendungen für die Maklerprovision der angemieteten Wohnung am Studienort sowie die Mietzahlungen für Wohnung und Garage. Vertragspartner und Rechnungsempfänger war der Vater der Klägerin. Aufgrund des fehlenden Einkommens der Klägerin bestand zwischen ihr und ihrem Vater die Vereinbarung, dass dieser zunächst die Mietaufwendungen übernimmt und seine Tochter diese nach ihrem Studium zurückzahlt.

Der Hintergrund: Bei Werbungskosten handelt es sich dem Einkommensteuergesetz gemäß um Aufwendungen, die zum Erwerb, der Sicherung und dem Erhalt von Einnahmen dienen. Darunter fallen alle Aufwendungen, die veranlasst werden, sobald jemand steuerpflichtige Einnahmen erzielt. Als eigene Aufwendungen des Steuerpflichtigen werden grundsätzlich auch diejenigen behandelt, die von einem Dritten erbracht werden, wenn beispielsweise abgekürzte Vertrags- oder Zahlungswege vorliegen. In besonderen Fällen können Werbungskosten auch schon zu einem Zeitpunkt anfallen, in dem die mit dem Aufwand zusammenhängenden Einnahmen noch nicht erzielt wurden. Diese werden dann als vorweggenommene Werbungskosten angesehen.

Das Urteil: Das Finanzgericht Niedersachsen akzeptierte die Maklerprovision als Werbungskosten. Diese seien notwendig gewesen, um das Studium aufzunehmen und dabei sei es unerheblich, ob die Kosten zunächst vom einem Dritten oder der Klägerin selbst getragen würden. Bezüglich der Anerkennung der Werbungskosten aus der Anmietung der Wohnung und der Garage blieb die Klage allerdings erfolglos. Laut der richterlichen Begründung kam es im Streitjahr zu keiner Minderung der persönlichen Leistungsfähigkeit, weil die Mietrückzahlungen an ihren Vater nicht im selben Jahr erfolgten. Bei der Vereinbarung zwischen Vater und Tochter handelt es sich zudem um kein Darlehensverhältnis. Das Finanzgericht lehnte einen abgekürzten Zahlungsweg ab, da dies bei einem Dauerschuldverhältnis wie dem Mietverhältnis laut Bundesfinanzhof nicht anwendbar sei. Die Revision wurde wegen grundsätzlicher Bedeutung der Streitsache zugelassen.