Urteil des FG Münster zur Badmodernisierung als Kosten eines häuslichen Arbeitszimmers

08.06.2015

Betriebsausgaben (gemäß § 4 Abs. 4 EStG) sind Aufwendungen, die durch den Betrieb begründet sind. Im Grundsatz stellen auch die Aufwendungen, die einem Steuerpflichtigen durch die Nutzung eines betrieblichen Arbeitszimmers erwachsen, Betriebsausgaben dar. Für den Abzug dieser Aufwendungen ist es allerdings erforderlich, dass dieses Arbeitszimmer ausschließlich oder fast ausschließlich betrieblich genutzt wird.

Im Urteil vom 18. März 2015 hatte sich das FG Münster nunmehr mit der Frage zu befassen, ob Aufwendungen für die Modernisierung eines Badezimmers zu den Aufwendungen für ein häusliches Arbeitszimmer gehören oder nicht. Hierbei lag dem FG Münster ein Streitfall vor, bei dem ein selbständiger Steuerberater für seine Tätigkeit ein häusliches Arbeitszimmer nutzte. Die Fläche des Arbeitszimmers betrug dabei 8% der Gesamtwohnfläche des Gebäudes. Im Streitjahr  lies der Steuerberater sein Bad behindertengerecht umbauen und machte 8% der entstandenen Kosten als Betriebsausgaben im Zusammenhang mit dem häuslichen Arbeitszimmer geltend. Das zuständige Finanzamt lehnte die steuerliche Berücksichtigung der anteiligen Modernisierungskosten jedoch ab.

Das FG Münster erkannte in seinem Urteil die Aufwendungen für die Modernisierung des Badezimmers anteilig an und urteilte, dass diese Aufwendungen zu den Aufwendungen des häuslichen Arbeitszimmers gehören, wenn sie wesentlich sind und den Wert des gesamten Wohnhauses erhöhen (FG Münster, Urteil vom 18. März  2015 - 11 K 829/14 E). Außerdem verwies das FG-Münster darauf, dass eine Anerkennung als Werbungskosten auch notwendig ist, um  Wertungswidersprüche zu vermeiden. Da das häusliche Arbeitszimmer als Teil des Betriebsvermögens des Steuerberaters zu qualifizieren ist, würde bei einer Entnahme aus dem Betriebsvermögen ein Anteil von 8% des Gebäudewertes als zu versteuernder Entnahmewert angesetzt werden müssen. Insofern ist es notwendig, Modernisierungsaufwendungen, die sich auf den Gesamtwert des Gebäudes auswirken, als Betriebsausgaben anzuerkennen.

Eine Nichtanerkennung als Betriebsausgaben würde (nach Urteilstenor) auch zu einem Widerspruch mit den anschaffungsnahen Herstellungskosten ( § 6 Abs. 1 Nr. 1a Satz 1 EStG ) führen. Hätte der Steuerberater die Modernisierungsmaßnahmen innerhalb der ersten drei Jahre nach der Anschaffung des Wohnhauses durchgeführt, wären diese Aufwendungen u.U. als anschaffungsnahe Herstellungskosten zu qualifizieren und der Kläger hätte diese Aufwendungen dann durch eine erhöhte Abschreibungsgrundlage als Betriebsausgaben berücksichtigen können.