Erwei­ter­te Grund­stücks­kür­zung: Ver­sa­gung bezüg­lich dem Gesell­schaf­ter die­nen­den Grundstück

Die gewer­be­steu­er­li­che Kür­zung für Grund­stücks­un­ter­neh­men sieht eine voll­stän­di­ge Frei­stel­lung von der Gewer­be­steu­er vor, wenn der Gewer­be­be­trieb aus­schließ­lich eige­nen Grund­be­sitz ver­wal­tet und nutzt; eng defi­nier­te Neben­tä­tig­kei­ten sind dabei unschäd­lich. Dar­über hin­aus ist die sog. erwei­ter­te Grund­stücks­kür­zung u.a. aus­ge­schlos­sen, wenn der Grund­be­sitz des Grund­stücks­un­ter­neh­mens dem Gewer­be­be­trieb eines sei­ner Gesell­schaf­ter dient. Das FG Müns­ter hat­te in sei­nem Urteil vom 17.12.2020 (Az. 5 K 631/20 G,F) dar­über zu ent­schei­den, ob die­ser Aus­schluss­tat­be­stand auch dann greift, wenn der Grund­be­sitz teil­wei­se einer Per­so­nen­ge­sell­schaft dient, an der ein­zel­ne Gesell­schaf­ter des Grund­stücks­un­ter­neh­mens nur gering­fü­gig betei­ligt sind.

Im Streit­fall betrieb eine GmbH ein Grund­stücks­un­ter­neh­men, an der D zu 45 %, B zu 35 % und E und K zu je 10 % betei­ligt sind. Die GmbH ver­pach­te­te ein­zel­ne Flä­chen an die C‑GbR, an der Q zu 99,1 % sowie B, E und K zu je 0,3 % betei­ligt sind.

Beispiel Bild

Die C‑GbR erziel­te gewerb­li­che Ein­künf­te; mit­hin dien­ten die ver­pach­te­ten Flä­chen teil­wie­se dem Gewer­be­be­trieb der Gesell­schaf­ter B, E und K. Das Finanz­amt ver­sag­te daher die gel­tend gemach­te Anwen­dung der erwei­ter­ten Grund­stücks­kür­zung und führ­te aus, dass dies­be­züg­lich zur Ver­mei­dung von Abgren­zungs­schwie­rig­kei­ten auch kei­ne Aus­nah­me in den Fäl­len von Baga­tell­be­tei­li­gun­gen vor­ge­se­hen sei.

Das FG Müns­ter folg­te dem Finanz­amt und bestä­tig­te in Anleh­nung an die bis­he­ri­ge BFH-Rechtsprechung, dass die Ver­güns­ti­gung durch die erwei­ter­te Grund­stücks­kür­zung auch dann ent­fällt, sobald ein Gesell­schaf­ter des Grund­stücks­un­ter­neh­mens zugleich Gesell­schaf­ter der den gepach­te­ten Grund­be­sitz nut­zen­den Per­so­nen­ge­sell­schaft ist. Dies ent­spricht dem Grund­ge­dan­ken die­ser Rege­lung, ledig­lich sol­che Unter­neh­men zu begüns­ti­gen, die nicht wegen der Art ihrer Tätig­keit, son­dern auf­grund ihrer Rechts­form gewer­be­steu­er­pflich­tig sind; folg­lich sind aus Grund­be­sitz erziel­te Erträ­ge, die ohne Zwi­schen­schal­tung eines Grund­stücks­un­ter­neh­mens gewerb­li­che Ein­künf­te wären, nicht zu begüns­ti­gen. In die­sen Fäl­len ste­hen Ein­zel­un­ter­neh­mern bzw. einer Mit­un­ter­neh­mer­schaft eben­falls nicht die erwei­ter­te Grund­stücks­kür­zung, son­dern ledig­lich die ein­fa­che nach dem Ein­heits­wert des Grund­be­sit­zes bemes­se­ne gewer­be­steu­er­li­che Kür­zung zu.

Auch wenn frag­lich ist, ob die Betei­li­gun­gen der Gesell­schaf­ter B, E und K im vor­lie­gen­den Fall von jeweils 0,3 % wirt­schaft­lich bedeu­tend sind, ist es den­noch nach Auf­fas­sung des FG Müns­ter nicht aus­ge­schlos­sen, die erwei­ter­te Grund­stücks­kür­zung zu ver­sa­gen. Hal­ten dem­nach meh­re­re Gesell­schaf­ter – wie hier B, E und K – jeweils eine unter­halb der Baga­tell­fall­gren­ze lie­gen­de Betei­li­gung an der mie­ten­den Per­so­nen­ge­sell­schaft und unter­lie­gen sie bei die­ser der per­sön­li­chen Haf­tung, ist der Aus­schluss von der erwei­ter­ten Grund­stücks­kür­zung zumin­dest dann nicht unver­hält­nis­mä­ßig, wenn die Gesell­schaf­ter zusam­men gleich­zei­tig die Mehr­heit an dem Grund­stücks­un­ter­neh­men – wie hier in Höhe von 55 % — hal­ten. Auf­grund der Mehr­heits­be­tei­li­gung hät­ten es die Gesell­schaf­ter zudem in der Hand, die Ver­sa­gung der erwei­ter­ten Grund­stücks­kür­zung zu ver­mei­den, indem der an die Per­so­nen­ge­sell­schaft schäd­lich ver­pach­te­te Grund­be­sitz auf eine ande­re Gesell­schaft über­tra­gen wird.

 

Hin­weis:

Das FG Müns­ter hat die Revi­si­on wegen grund­sätz­li­cher Bedeu­tung zuge­las­sen, aller­dings hat die Klä­ge­rin hier­von wohl kei­nen Gebrauch gemacht. In der Ver­gan­gen­heit hat der BFH die Vor­schrif­ten über die erwei­ter­te Grund­stücks­kür­zung eher restrik­tiv aus­ge­legt und Kleinst­be­tei­li­gun­gen als schäd­lich ange­se­hen. Ent­spre­chen­de Kon­stel­la­tio­nen sind daher oft­mals risi­ko­be­haf­tet und im Ein­zel­fall zur Ver­mei­dung nega­ti­ver steu­er­li­cher Kon­se­quen­zen genau­es­tens zu prüfen.