Form­wech­sel einer GmbH in eine KG

Das KG Ber­lin hat­te bereits 2018 zum Form­wech­sel einer GmbH & Co. KG in eine GmbH ent­schie­den, dass das Aus­schei­den der per­sön­lich haf­ten­den Gesell­schaf­te­rin mit Wirk­sam­keit des Form­wech­sels mög­lich sei. Ein Form­wech­sel wur­de dadurch zumin­dest theo­re­tisch wesent­lich erleich­tert, weil damit eine Betei­li­gung der ohne­hin „funk­ti­ons­los“ gewor­de­nen Komplementär-GmbH an der form­ge­wech­sel­ten GmbH hin­fäl­lig wur­de. Aus Vor­sichts­grün­den wur­den in der Pra­xis jedoch Form­wech­sel in bei­den Rich­tun­gen wei­ter­hin meist mit­tels des Treu­hand­mo­dells durch­ge­führt, bei dem die per­sön­lich haf­ten­de Gesell­schaf­te­rin einen Anteil an dem form­zu­wech­seln­den Rechts­trä­ger treu­hän­de­risch hält.

Das OLG Olden­burg hat nun mit Beschluss vom 19.12.2019 (Az. 12 W 133/19) zum umge­kehr­ten Form­wech­sel – dem einer GmbH in eine GmbH & Co. KG — ent­schie­den, dass der Bei­tritt des per­sön­lich haf­ten­den Gesell­schaf­ters ohne Kapi­tal­be­tei­li­gung mit Wirk­sam­wer­den des Form­wech­sels in die form­wech­seln­de Gesell­schaft mög­lich ist. Im vor­lie­gen­den Fall hat­ten sich sämt­li­che gegen­wär­ti­ge und zukünf­ti­ge Gesell­schaf­ter der form­wech­seln­den Gesell­schaft auf den Bei­tritt des per­sön­lich haf­ten­den Gesell­schaf­ters geei­nigt. Im Anschluss wur­de die­se Eini­gung nota­ri­ell beur­kun­det und die Ein­tra­gung der Umwand­lung in das Han­dels­re­gis­ter beantragt.

Das OLG Olden­burg sah — ent­ge­gen der Mei­nung des Regis­ter­ge­richts — die­se Vor­ge­hens­wei­se als zuläs­sig an und konn­te dar­in auch kein Ein­tra­gungs­hin­der­nis erken­nen. Viel­mehr sah es die Vor­aus­set­zun­gen sowohl nach dem gegen­wär­tig für die form­wech­seln­de Gesell­schaft gel­ten­den Recht der GmbH, als auch nach dem zukünf­tig ein­schlä­gi­gen Recht der KG als gege­ben. Auch steht der in §§ 194 Abs. 1 Nr. 3, 202 Abs. 1 Nr. 2 S. 1 UmwG nie­der­ge­leg­te Grund­satz der „Kon­ti­nui­tät der Mit­glied­schaft“ einem wirk­sa­men Bei­tritt nicht ent­ge­gen. Schließ­lich soll damit sicher­ge­stellt wer­den, dass die­je­ni­gen Betei­lig­ten, die zum Zeit­punkt der Ein­tra­gung des Form­wech­sels Anteils­in­ha­ber sind, auch Mit­glie­der des neu­en Rechts­trä­gers wer­den. Die­ser Schutz­zweck bleibt erfüllt, wenn sich alle Betei­lig­ten einig sind und ein Wech­sel im Gesell­schaf­ter­be­stand auch nach all­ge­mei­nen gesell­schafts­recht­li­chen Bestim­mun­gen mög­lich gewe­sen wäre.

Hin­weis:

Die jüngs­te Ent­schei­dung des OLG Olden­burg steht im Ein­klang mit einem obiter dic­tum des BGH sowie der herr­schen­den Ansicht der Lite­ra­tur. Viel­leicht gehen auch die Regis­ter­ge­rich­te nach die­ser wei­te­ren Ent­schei­dung dazu über, die Mög­lich­keit eines Aus­tritts oder Ein­tritts des per­sön­lich haf­ten­den Gesell­schaf­ters zum Zeit­punkt des Wirk­sam­wer­dens des Form­wech­sels künf­tig nicht mehr als ein­tra­gungs­hin­dernd zu sehen. Vor die­sem Hin­ter­grund kann mit den Man­dan­ten abge­stimmt wer­den, ob auf einen Treu­hand­ver­trag ver­zich­tet wird. Eine Abstim­mung mit dem zustän­di­gen Regis­ter­ge­richt ist den­noch zu empfehlen.